Die Redenstrafferin

Warum ich eine Anfrage abgelehnt habe

Da habe ich eine Anfrage bekommen, die mich zuerst zucken ließ. Ob ich auch ein InhouseTraining geben würde für diejenigen, die für Ihre Vorgesetzten die Reden schreiben sollen. Reden für politische und andere Persönlichkeiten, die schon aus Zeitgründen darauf angewiesen sind, dass ihr Backoffice sie mit vorgefertigten Texten unterstützt.

Meine sofortige Analyse:

  • Ja, ich trainiere Menschen, die Reden vor Publikum halten.
  • Ja, ich texte – Bücher, Artikel, Ghost, Blog und was auch immer …

Da liegt es doch nahe, beides miteinander zu verbinden und Redenschreiber zu unterstützen.

Auf den ersten Blick.

Ich bringe Menschen dazu, freie Reden und Präsentationen zu halten – denn alles andere ist keine Rede, sondern eine Lese. So mein Credo. Dass es andererseits Redenschreiber geben muss, liegt auf der Hand. Ein Barack Obama hat keine Zeit dafür, seine geschliffene Rhetorik selbst zu Papier zu bringen oder stets frei zu sprechen. Jedes einzelne Wort hat soviel Gewicht, ist so wichtig, kann so schnell missverstanden und -interpretiert werden – da wird nichts dem Zufall überlassen. Ein guter Redenschreiber verschmilzt dabei nahezu mit seinem Auftraggeber und wird sich seinem speziellen Duktus anpassen.

Und doch: Nicht der Mensch, der die Reden halten wird, kommt in ein solches Training. Nicht einmal beide zusammen, um dem einen ein Gefühl für die Sprache, Worte, Stil des anderen zu vermitteln. Da kann ich aber nicht aus meiner Haut: Meine Zielgruppe – das sind die Redner selbst.

Ich habe mich sehr über diese Anfrage gefreut,

  1. weil ich damit wieder in Kontakt mit einem Kunden kam, bei dem ich schon trainieren durfte,
  2. weil mir mal wieder bewusst wurde, wie wichtig es ist, seinem Weg treu zu bleiben.

Ja, theoretisch hätte ich das Training sicherlich machen können. Aber praktisch hätten weder mein Auftraggeber noch ich am Ende genau das bekommen, was gewollt ist. Dafür war mir mein Gesprächspartner hörbar dankbar: “Das finde ich sehr gut, dass Sie so ehrlich und offen sind!” Dieser Kontakt wird sich wieder an mich erinnern – jetzt wohl noch lieber, als wenn ich einen nicht hundertprozentigen Job abgeliefert hätte.

Oder anders gesagt: Don´t eat the marshmallow … yet!

Mach was draus!

 

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