Die Redenstrafferin

Verstanden!?!

Es fühlte sich wie eine Fremdsprache an: Ich sollte Doppelkopf lernen – wird ja auch Zeit mit fast 50 – und verstand kein Wort. Die Begriffe flogen nur so um mich herum, die mir wörtlich natürlich etwas sagten – denn soviel deutsche Muttersprache ist mir eigen -, die mir aber im Zusammenhang mit dem Spiel böhmische Dörfer waren. Da ich nicht einmal des Skatspielens mächtig bin, musste ich schon bei „Re“ und „Trumpf“ beinahe scheitern. Unter der „Alten“, „Armut“, „Hochzeit“, den „Fehlfarben“ oder dem „gespaltenen Arsch“ hatte ich definitiv andere Vorstellungen.

Für denjenigen, der mir alles geduldig erklärte, waren diese und viele andere Wörter und deren Bedeutung so geläufig, dass er sie wie selbstverständlich in seine Erläuterungen einflocht – während die Fragezeichen in meinem Gesicht übermannsgroß wurden. Ich musste zwei Dinge gleichzeitig lernen: Die neue Bedeutung bekannter Begriffe und die Spielregeln. Am Anfang fühlte es sich an, als müsste ich auf Anhieb eine Wegbeschreibung auf Chinesisch verstehen. Na ja – fast.

Genauso ist es, wenn jemand eine Rede hält, die sein eigenes Fachgebiet betrifft. Auch dabei werden Begriffe wie selbstverständlich verwendet, die manchen Zuhörer möglicherweise überfordern. Dem Inhalt aber zu folgen, wenn es schon am Wortverständnis fehlt, ist schwierig und anstrengend. Da wird gerne vorzeitig abgeschaltet, obwohl es so interessant sein könnte…

Mein Tipp: Ein Vokabelabgleich zu Beginn und / oder zwischendurch rettet die Aufmerksamkeit. Da reichen kleine Nebensätze, die fremde Wörter anschaulich machen. Es hilft zu wissen, dass man bei einem „Fehlstich“ nichts falsch gemacht hat und die „Dulle“ – obgleich das Wort für Ungeübte wie etwas Minderwertiges klingt – die höchste Karte beim Spielen ist. Pardon – das „Blatt“ mit dem  höchsten „Stich“ ist.

So zu reden, dass man vom Gegenüber verstanden wird, heißt zu verstehen, was der andere weiß.

Oder einfacher ausgedrückt: Lieber ein Wort zu viel erklärt, als zu viele wegen unbekannter Wörter verloren. „Bedienpflicht“ würde das beim Doppelkopf heißen. Glaube ich… 😉