Die Redenstrafferin

Plan B: Worte machen Wirklichkeit

Per Zufall bin ich auf einen Artikel gestoßen zu einem Vortrag, den ich vor einiger Zeit auf einer wunderbaren Veranstaltung hatte halten dürfen. Ich war ganz entzückt darüber, wie meine Inhalte wiedergegeben wurden. Da ist offenbar einiges angekommen von dem, was ich vermitteln wollte. Nur über einen einzigen (Teil-)satz bin ich ins mentale Straucheln gekommen: „…Kerschgens, die an Multipler Sklerose leidet…“

Der ist nämlich nur zum Teil wahr. Ja, ich habe MS – aber wer mich bei meinen Vorträgen erlebt, sieht ganz schnell, dass ich nicht darunter „leide“. Natürlich gibt es Krankheiten, die sehr viel Leid verursachen. Unbenommen. Und nicht schön.

Mein Glück ist, dass ich „nur“ immer mehr Einschränkungen und „Es-war-einmal“s erlebe – aber unter Leid verstehe ich etwas anderes. Ich leide nicht darunter, ich lebe damit. Das ändert nichts an den unübersehbaren Tatsachen, aber mit einer solchen Einstellung werden sie aus meiner Erfahrung heraus besser verdaubar.

Wäre meine Gedankenwelt davon geprägt, dass ich unter MS „leide“, wäre mein Blick versperrt für die Möglichkeiten, die es (noch) gibt. Die Menschen um mich herum würde ich zu mir herunterziehen. Dabei ist Mitleid das Letzte, was ich haben will. Meinethalben soll Neid entstehen, dass ich „trotzdem“ drüber lachen kann, dranbleibe. Natürlich habe ich auch düstere Momente, an denen mir (fast) die Puste ausgeht. Solche Momente sind auch wichtig. Aber sie sind nicht die Hauptdarsteller in meinem Leben. Und die Regisseurin bin immer noch ich – nichts und niemand sonst.

Wer leidet, jammert – gerne auch andere voll. Wer leidet, quält sich – über die eigentlichen Qualen weit hinaus. Wer leidet, verliert den Blick für das, was noch geht. Das liegt mir alles sehr fern. Darum sage ich auch immer: „Ich bin nicht krank, ich habe eine Krankheit. Ob sie mich hat, ist noch nicht entschieden.“

Oder mit anderen Worten: Es fängt immer zwischen unseren Ohren an! Achte auf deine Worte – sie spiegeln die Wirklichkeit in deinem Kopf wider. Wenn dir diese Wirklichkeit nicht gefällt, dann fange bei deinen Worten an – das lenkt dein Denken in eine bessere Richtung. Das klappt – mache ich auch täglich.

Mach was draus!

Hier der Link zum Zeitungsartikel!