Die Redenstrafferin

Plan B: #metoo

Das ist so ein Hashtag, den ich an mir vorbeiziehen lassen wollte. Er betrifft mich nicht. Dachte ich.

Und dann fielen sie mir doch ein, die vier Situationen. Ich hatte sie schlicht vergessen, nicht verdrängt. Denn meine jeweilige Reaktion war – tja, konkret. Endgültig. Daher hatte ich sie einfach abgehakt.

Erster Fall

Ich war vielleicht 17. Es war irgendeine Geburtstagsfeier von Verwandten. Mit Cousin und Co. hatten wir uns nach „nebenan“ verzogen. Da kam so ein Typ rein, der der Chef von irgendwas war und sich auch so gerierte. Er rückte mir ganz nah auf die Pelle, murmelte irgendwas eindeutig Zweideutiges. Ich hob mein Bein in seinen Schritt und sagte: „Ich kann das auch mit Schwung.“ Weg war der Heini.

Zweiter Fall

Mein alter Mathelehrer und ich haben uns gut verstanden, uns gegenseitig gerne aufgezogen, und naiv wie ich war, traf ich mich mit ihm nach dem Abi zum Abendessen. Als er mich wieder zuhause absetzte, sagte er: „Das nächste Mal verspreche ich mir aber mehr.“ Ich wechselte vom ausgemachten „du“ zurück, erwiderte „Grüßen Sie Ihre Frau von mir“ – und knallte die Wagentür zu. Der hat nie wieder mit mir geredet.

Dritter Fall

Treffen der alten Stufe ein Jahr nach dem Abitur. Plötzlich will mich einer von den Jungs – schon gut angeschickert – in einen dunklen Raum ziehen, Eindeutigkeiten von sich gebend. Ich drehe mich aus seinem Griff, beschimpfe ihn und marschiere sofort zu den Organisatoren und „melde“ den Fall. Ich weiß nicht, ob das Konsequenzen hatte, aber ich hatte es damit für mich als erledigt angesehen.

Vierter Fall

Ich arbeitete für ein Medien-Fachmagazin und hatte zusammen mit meinem Chefredakteur einen Termin bei einem potentiellen Interviewpartner. Der lud mich auf eine Privatparty auf einem Rheinschiff ein, mein Chef witterte ein Exklusivinterview, und ich dachte mir nichts dabei. Auf der Veranstaltung gab der Typ ein paar Bemerkungen mir gegenüber von sich, die meinen Groschen endlich fallen ließen. Interview gegen „Bezahlung“? Ohne mich. Hatte mein Chefredakteur eben Pech gehabt…

Also geht mich dieses #metoo ebenfalls etwas an. Bei der Erinnerung an diese vier Fälle fand ich einen gemeinsamen Nenner, der sich an vielen Stellen in meinem Leben zeigt und bewährt hat:

Ich habe ganz klar meine Grenzen gezeigt.

Das ist auch mein Tipp an dich. Voraussetzung dafür ist, dass du dir selbst über deine Grenzen im Klaren bist. Oder um aus einem meiner TROTZDEM-Inspirationskästen aus meinem Buch „Einfach kann ja jeder“ zu zitieren: „Was willst du? Nicht die Eltern, nicht die Tante, die Nachbarn, der Chef – was willst du?“

Danach habe ich übrigens nie mehr eine solche Grenzüberschreitung erlebt. Da habe seitdem ich wohl meine Signale sehr eindeutig werden lassen: „Mit mir nicht!“ Wenn das für dich innerlich klar ist, dann spiegelt sich das auch in deiner Körpersprache wider. Mach dich groß, sei wichtig – vor allem dir selbst! Und darüber hat niemand – ich wiederhole: NIEMAND – außer du selbst zu bestimmen. Punkt.

Mach was draus.

P.S.: In meinem Buch „Einfach kann ja jeder“ gibt es weitere Beispiele von Grenzüberschreitungen, deren Konsequenzen und die Lernkurven, die sich daraus ergeben haben. Lass dich inspirieren vom Mut anderer!